Chatou ist eine französische Stadt mit einer Fläche von 508 Hektar und 29.649 Einwohnern (Stand 1. Januar 2021) im Département Yvelines in der Region Île-de-France. Die Höhenlage beträgt 37 Meter über Meereshöhe. Chatou liegt zehn Kilometer westlich von Paris zwischen den Städten Rueil und Le Vésinet in unmittelbarer Nähe zur Seine. Eine Brücke verbindet es mit dem gegenüberliegenden Département Hauts-de-Seine.

Chatou
Chatou (Frankreich)
Chatou (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Île-de-France
Département (Nr.) Département Yvelines (78)
Arrondissement Saint-Germain-en-Laye
Kanton Chatou (Hauptort)
Gemeindeverband Saint-Germain Boucles de Seine
Koordinaten 48° 53′ N, 2° 9′ OKoordinaten: 48° 53′ N, 2° 9′ O
Höhe 22–58 m
Fläche 5,08 km²
Einwohner 29.649 (1. Januar 2021)
Bevölkerungsdichte 5.836 Einw./km²
Postleitzahl 78400
INSEE-Code
Website chatou.fr

Rathaus (Hôtel de ville)

Geschichte

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Die Region um das heutige Chatou war bereits von den Galliern und später von den Römern besiedelt. Der Name der Stadt leitet sich aus dem lateinischen Cattus ab. Im Französischen werden die Einwohner von Chatou die Catoviens genannt.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 691 unter den Merowingern als Captonnacum.[1] Später war er im Besitz der Dames de Malnoue. Im 14. Jahrhundert war er zuerst ein Lehensgut der Abtei von Saint-Denis, dann der Familie Malet,[2] ging im 16. Jahrhundert auf die Familie Portail über und im Jahr 1762 auf Henri-Léonard Bertin, einen hohen Finanzbeamten unter Ludwig XV.

Im Jahr 1626 wurde die seit 1050 zwischen Chatou und Rueil verkehrende Fähre durch eine Brücke ersetzt.

Im 19. Jahrhundert verzeichnete der Ort durch seinen Anschluss an die ab 1837 zwischen Paris und Le Pecq verkehrende Eisenbahnlinie einen wirtschaftlichen Aufschwung und einen Zuwachs an Bevölkerung. Die Nähe zu Paris ließ ihn zu einem beliebten Wohnort reicher Industrieller werden, die in der ländlichen Umgebung und am Ufer der Seine großzügige Villen bauten. Auch der Pariser Kriegsprofiteur und Nazi-Kollaborateur Mandel Szkolnikoff[3] (1895–1945) besaß während des Zweiten Weltkriegs in Chatou eine geräumige Villa mit zehn Zimmern.

Chatou in der Kunst

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Pierre-Auguste Renoir:
Alphonsine Fournaise
(1879, Paris, Musée d’Orsay)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Seineufer und das auf einer Insel gelegene Vergnügungslokal Maison Fournaise zum Anziehungspunkt vieler impressionistischer Maler wie Claude Monet, Alfred Sisley, Berthe Morisot, Édouard Manet, Guy de Maupassant und Auguste Renoir, denen die Seineinsel ihren heutigen Namen Île des Impressionistes (Insel der Impressionisten) verdankt. Etwa dreißig Emailletafeln mit Reproduktionen der in Chatou entstandenen Gemälde erinnern dort, wo die Maler ihre Staffeleien aufstellten, an die vergangenen Tage, als die Eisenbahn erholungssuchende Städter und lebensfrohe Künstler nach Chatou in die Sommerfrische brachte.

In Chatou entstanden unter anderem folgende Gemälde:

Sehenswürdigkeiten

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  • Die Kirche Notre-Dame von Chatou, deren Gründung auf das 12. Jahrhundert zurückgeht. Aus dieser Zeit zeugt heute noch der romanische Glockenturm. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Bau stetig erweitert und restauriert. Nach der teilweisen Zerstörung im deutsch-französischen Krieg wurde die Kirche von dem französischen Architekten Paul Abadie wiedererrichtet. 1880 wurde die Westfassade im neogotischen Stil vorgestellt.
  • Frühere Schlossanlage „La Faisanderie“ mit Eingangspavillons und Wirtschaftsgebäuden (18. Jahrhundert). Der Wohntrakt wurde im Jahr 1862 ersetzt.
  • Nymphäum (1777) von Jacques-Germain Soufflot im Schlosspark mit muschelförmigem Gewölbe.
  • Rathaus (18. Jahrhundert) mit Glockenturm (1879) und Salons aus der Zeit Napoleons III.
  • Insel der Impressionisten zwischen Chatou und Rueil mit dem Restaurant „Maison Fournaise“, dem ein städtisches Museum angegliedert wurde.
  • Zahlreiche Villen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.

Persönlichkeiten

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Hier geboren
Hier gewirkt
  • Maurice Berteaux (1852–1911), langjähriger Bürgermeister und französischer Kriegsminister

Literatur

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  • Le Patrimoine des Communes des Yvelines. Band 1, Flohic Editions, Paris 2000, ISBN 2-84234-070-1, S. 147–151.
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Commons: Chatou – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

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  1. Es wird mit geringerer Wahrscheinlichkeit auch für möglich gehalten, dass die Pfalz Captonnacum sich auf Châtenay-Malabry bezieht.
  2. Gilles Malet war der Begründer der Nationalbibliothek.
  3. François Broche: La cavale des collabos. Nouveau Monde éditions, Paris 2023, ISBN 978-2-38094-444-0, S. 350 f.