Ich höre leis deine Stimme…

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Priesterin im Heiligen Hain

Es brennt ein heiliges Feuer
In einem Heiligen Hain,
Gehüllt in zärtliche Schleier
Mögst du die Priesterin sein.

Ich höre leis deine Stimme,
Die Schönes sanfter noch spricht,
Goldhaar in schimmerndem Glimme,
Es reicht dir weit ins Gesicht.

Ich sehe Augen, sie tragen
Sehr weichen, seidigen Glanz
Und was sie wortlos mir sagen,
Das weiß und fühle ich ganz.

©Wolfregen

Mit den Flügeln eines Engels -⭐ Frohe Weihnachten!

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Foto ©: Constanze

*~ Vom Himmel herzgeschenkt ~*

Heut schwebt ein Engel durch den Raum der Stille,
sacht dich erschütternd mit der Flügel Klang,
im Rauschen des Entfaltens, Cherubs Sang
verkündet sich ein göttlich großer Wille.

Du dachtest oft, es gibt ihn nicht im Leben,
weil er dir unsichtbar erschien im Sein,
doch wenn du liebst mit deinem ganzen Geben,
geht er an deiner Seite licht und rein.

Dann zeigt er sich vom Himmel herzgeschenkt,
hebt dich hinauf, hinaus auf seinen Schwingen,
du weißt, das Dasein musst du nicht bezwingen –
es ist ein Öffnen nur, das alles lenkt.

©Constanze

🎄✨🎄✨🎄✨🎄✨🎄✨

Liebe Leserinnen und Leser,
nur noch wenige Tage sind es bis 2026.
Wir wünschen Euch frohe Weihnachtstage
und einen besinnlichen Jahreswechsel.
Alles Gute für ein glückliches neues Jahr!

Du warst stets einer, der in Tiefen rührt … – zum 150. Geburtstag von R.M. Rilke

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Foto ©: anaterate / pixabay.com

🌸~ Durch Rilkes Garten ~ 🌸
(inspiriert von Rilkes Gedicht „Der Apfelgarten“)

In Dämmerstunden, wenn wir Nacht erwarten
und Funkenflämmchen still in Herbstes Licht
erhellen spärlich jeden düstren Raum,
schau ich durchs Fenster und ich seh es kaum,
das Grün des Grunds in meinem Apfelgarten
– so ohne Frucht, mit traurigem Gesicht.

Doch dann, in einem einzigen Gedanken
erinnre ich mich deiner Saat im Kern,
verdichtetes Geäst mit frischen Ranken,
und blütenweiß umweht mich‘s ganz von fern;
wurd aufgelesen und gepflanzt ins Herz,
um dann in mir zu schimmern wie ein Erz.

Du warst stets einer, der in Tiefen rührt,
daraus will ich nun Vers und Zweige treiben
mit Knospen voller Hoffnung, Liebe, Licht
und dankbar sein auch bei getrübter Sicht,
mitten im Schneesturm in der Wärme bleiben,
die mich durch dich zu neuem Leben führt …

©Constanze

Wenn Boreas bläst in sein Horn …

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John William Waterhouse: Boreas, 1903

~ Was warmhält! ~

Novemberstürme ziehen übers Land
und klauben letzte Blätter von den Ästen,
kahl stehn die Zweige mit den dürft‘gen Resten
vom sommergrünen Sein im Blattgewand.

Ein Leichtes wiegt so schwer, wenn es nur fällt
ganz ohne warme Hand, die es noch hält
als Blatt im Flug zur grau verdorrten Masse,
verweht vom Nordwind in der kalten Gasse.

Umhülle mich drum mit dem Kleid der Liebe
und meine Hand leg schützend ich darauf,
im groben Zug der Boreaden Lauf
wirkt Feines groß an Bäumen ohne Triebe.

©Constanze

Er fühlte die Liebe, die darin lebt…

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Prolog

Eine Begebenheit, erfunden oder wahr,
Wie sie nur in Venedig sich ereignen mag:
In einer Stadt, in der Musik die Häuser, Kirchen, Brücken baut,
Wo Liebe, Sehnsucht, Schönheit, Tod, wo Erblühen und Vergehn
Zur sichtbaren Gestalt, zu einem Bild geworden sind.

Der Spätherbst mit seinen leuchtenden Farben,
Die welken, gelben, bunten Blätter,
Die zahlreichen, die schon fielen,
Und alle, die noch fallen werden,
Ein Hauch Ewigkeit in diesem allgemeinen Sterben,
Schön und traurig zugleich, ist die große Kulisse dazu.

Doch wann es gewesen, weiß ich nicht,
Vielleicht vor hundert Jahren oder mehr?
Erst gestern? Heute? Wird es morgen sein?
Denn über allem liegt ein zarter Dämmerschein.

Gastspiel einer Fremden

Seine Frau war gestorben, viele Jahre her,
Er seither auf keinem Ball, in keiner Oper mehr,
War selbst in seiner Trauer tot und so gut wie begraben,
Was sollte die schale Welt für ihn noch übrighaben?

Catone in Utica, Vivaldis Oper würde gegeben,
Nahm sich der edle Römer nicht selbst das Leben?
Das zog ihn an, er wollte die Aufführung sehn,
Saß am Abend allein in der Loge, berührt vom Geschehn.

Die Arie „Se mai senti“ im zweiten Akt erklang
Und wie die Sängerin diese sang!
Er fühlte die Liebe, die darin lebt,
Die zärtliche Stimme, die zitternd bebt.

Bei jeder Aufführung war er fortan zugegen
Und die wachsende Zuneigung wollt sich nicht legen,
Da schrieb er der Fremden bewegte Zeilen,
Er wolle mit ihr die Erfahrung teilen.

Sie trafen sich und er war hingerissen,
Sie hatte alles, was lang er tät vermissen,
Nach der letzten Vorstellung wollt man sich wiedersehn
Und wer weiß, vielleicht würd sie ihn ganz verstehn.

Die Rolle war umbesetzt, die Sängerin war abgereist,
Ein Brief für ihn mit wenig Worten hinterlegt:
Du liebst nicht mich, nicht mich, und weißt es genau,
Du suchst in mir deine verstorbene Frau!

So war‘s, das wurde ihm schmerzlich bewusst
Und Tränen fielen ihm auf die beklommene Brust,
Zum Himmel sah er auf mit wehem Blick, ganz trübe:
Ja, sie hat recht! Dort will ich hin, zu dir, du Liebe!

©Wolfregen

Aus dem Morast gelöst …

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Otto Modersohn: Dämmerung, 1898

~ Beseeltes Moorgemälde ~

Blick aus einem Fenster im Otto-Modersohn-Museum Fischerhude

In diesem Bild möcht gerne ich verweilen,
nur Landschaft, die mir eingezeichnet bleibt,
gestillte Sehnsucht, stille Ewigkeit,
wo Schatten müd dem Dunkeln sanft enteilen
und Sterne funkeln durch der Nächte Tor,
Irrlichter nebulös im Teufelsmoor
gelöst aus dem Morast und allem Wanken –
klar steigt der Mond empor wie die Gedanken…

©Text & Fotos: Constanze

https://www.otto-modersohn-museum.de/ausstellungen

Würden Zweige sich nicht regen…

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Foto©: Wolfregen

Ganz weit weg

Dunkel ist die breite Diele
In dem alten, stillen Haus,
Zeitlos wirken Tisch und Stühle,
Reicht der helle Blick hinaus.

Wie durch einen Bilderrahmen
Ist die Landschaft weit zu sehn:
Sonnig, in der einprägsamen
Pferde zwischen Bäumen stehn.

Würden Zweige sich nicht regen,
Pferde ab und an bewegen,
Trübte sich der Glanz nicht ein,
Müsst es ein Gemälde sein.

©Wolfregen

Vom grauen Einerlei befreit …

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Foto ©: Constanze

Zum ersten Mal hier und als kleine Abwechslung gedacht: ein kurzer poetischer Prosatext! Viel Freude beim Lesen wünscht Euch Constanze.

~ Frau Blau ~

Es ist noch gar nicht allzu lange her, dass ich meinen Wagen wieder einmal in Richtung Innenstadt lenkte. An einem dieser Tage, an denen der Verkehr wie ein überhitzter Strom unaufhörlich in den Hauptverkehrsadern pulsiert. Autos dicht an dicht, dirigiert von Zebrastreifen, Ampeln, allerlei Übergängen im ständigen Wechsel zwischen Anhalten und Weiterfahren. Dabei scheint ein unsichtbarer Schrittmacher über allem zu schweben, der dafür sorgt, dass alles in geordneten Bahnen bleibt. Und jeder von uns trägt zumindest eine Ahnung in sich, was geschehen kann, wenn etwas unerwartet neben der Spur läuft. Vielleicht ist es genau diese Art von Achtsamkeit, die dem Leben einen kleinen Gedankensprung dazugesellt, einen Hauch von Zerstreuung, der uns aus dem grauen Einerlei befreit und uns ein wenig vom starren Sitz erhebt. Nur so viel, um einen Blick über den Rand zu werfen, ohne vollends abzudriften.
In genau solch einem Augenblick traf ich auf Frau Blau. Während ich an einem Übergang zum Anhalten gezwungen war und bei dieser Gelegenheit meinen Seitenspiegel neu justierte, machte sich eine größere Gruppe mit finsteren Gesichtern auf, um schnell auf die andere Seite zu gelangen. In einem geringen Abstand zum Pulk setzte sich beinahe unbemerkt auch eine etwas ältere Erscheinung in Bewegung. Die Schritte wurden nacheinander bedächtig auf den bereits abgenutzten Belag gesetzt. Die Art und Weise, wie dieses meditative, leicht schwebende Gehen ausgeführt wurde, fesselte plötzlich meine Aufmerksamkeit. Weg von allem, was da bisher so vor meiner Windschutzscheibe vorübergehastet war. Und obwohl diese Wahrnehmung nur kurz andauerte, brannte sich das Bild in einer zeitlosen Klarheit in meinem Gedächtnis ein, sodass ich es nicht mehr vergessen kann.
Nun wird sich die geneigte Leserin, der geneigte Leser an dieser Stelle vermutlich fragen, woher ich denn den Namen einer mir rein zufällig begegneten Passantin kenne. Ganz einfach: Diesen Namen habe ich ihr selbst gegeben und er passt zu ihr wie kein anderer, finde ich, denn schließlich ist die Alte von Kopf bis Fuß in blaue Kleidung gehüllt. Das macht sie neben ihrer Gangart zusätzlich so besonders und unverwechselbar. Stets trägt sie Halbschuhe, die kaum auffallen dürften, sieht man mal ab von ihrer tiefblauen Färbung sowie den kleinen Laschen in Flügelform im Bereich der Fersen. Auch die etwas weiter geschnittene, legere Pumphose, die im Wind aufbläht wie ein mit Helium sich füllender Fesselballon, sowie der salopp darüber getragene, wetterfeste Trench wären nicht der Rede wert, würde deren leicht verwaschen wirkende, bläuliche Farbe nicht sofort ins Auge springen. Richtig abgehoben aber wird es erst ums Haupt herum, denn darauf thront eine Fliegermütze mit Seitenklappen in einem himmelblauen Ton. Mit jeder Kopfbewegung lüften sich letztere ein wenig ähnlich den Flügelchen einer Blaumeise und flattern keck im Zusammenspiel mit einem hellblauen Seidentüchlein, das sich locker leicht um ihren Hals schlängelt. Vielleicht sind dies Zeichen einer Profession vergangener Tage. Ich kann sie mir wahrlich sehr gut vorstellen als tollkühne Pilotin von einst, meine Frau Blau. Eine Bruchpilotin war sie mit Sicherheit aber keine, denn als sich unsere Blicke erstmals trafen, strahlten mich ein paar aquamarinartige, klare Augen an, als wollten sie sagen: „Ein Höhenflug kommt niemals laut krachend von oben, sondern auf leisen Sohlen von unten aus der Tiefe.“
Nachdem ich Frau Blau auf diese Weise begegnet war, freute ich mich sehr darüber, ihr gleich bei der zweiten und auch während der dritten Fahrt erneut auf der Spur zu sein. Dann fing ich an, Eintragungen in einem kleinen Notizbuch vorzunehmen, wann und wo ich sie entdeckt hatte, um weitere Zusammentreffen besser abschätzen zu können. Doch das brachte mich nicht weiter, sondern genau das Gegenteil meiner Bemühungen, denn eine längere Zeit danach wollte sie einfach nicht mehr auftauchen, so sehr ich auch Ausschau nach ihr hielt, ja ihren Auftritt regelrecht zu berechnen schien. Dann kam mir irgendwann der Gedanke, sie könne zwischenzeitlich vielleicht gestorben sein. Schließlich hatte sie alt und etwas verbraucht gewirkt, ja sich bei einer unserer Begegnungen sogar auf eine blaue Krücke gestützt.
Doch just in jenem Moment, als ich wieder aufgehört hatte mit meinen Aufzeichnungen, zeigte mir das Leben sein wandelbares Janusgesicht: Frau Blau kam zurück! Plötzlich sah ich sie während der Fahrt am Wegrand stehen und bevor ich es realisieren konnte, war sie auch schon entrückt und weggeflogen. Im richtigen Moment war ich aber aufmerksam genug, im Spiegel einen Blick zurückzuwerfen. Dabei bemerkte ich, wie sie unvermittelt die Krücke fröhlich zum Gruß erhob und sie ähnlich einem Propeller über ihrem wolkenweißen Haar kreisen ließ, während die beiden Enden ihres durchsichtigen Tüchleins wie zwei fragile Bläulinge lustig umeinanderflatterten.

©Constanze

Wahrhaft ein hehres Ideal…

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Francesco Guardi: Das Foyer des Palazzo Dandolo (ca. 1746-1750)

Masken

Nach außen durchsichtig und klar,
Wahr, unverstellt, ein Feind der Lügen,
Dem Wasser gleich, der Trübnis bar,
Kein Falsch in den gewohnten Zügen.

Wahrhaft ein hehres Ideal,
Das uns zum Seelenheil gereichte!
Wie töricht geschmacklos und schal,
Als lebte man in fortgesetzter Beichte.

Im Innern frei und des Zwiespalts entledigt,
Nach außen hin Rätsel und Maskenfreund,
So scheint es mir besser als jede Predigt
Und in der Kernmoral gemeint.

Mir gilt nicht ein ‘Was’, auch nicht ein ‘Wie’,
Nur einzig ein herzliches ‘Wer’,
Und früg mich einer mit Phantasie,
Erklärt ich’s ihm so ungefähr.

©Wolfregen

Rose bleibt Rose …

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Foto ©: Constanze

🌸🌹~ The Soul of the Rose ~ 🌹🌸

Rose bleibt Rose, auch wenn sie vergeht;
mögen ihr Stürme verwehn duft‘ge Lider,
Regenzeittränen verwässern den Trieb,
Sonne und Wärme, die trocknen sie wieder –
mehr denn ein Welken ist Knospen ihr lieb.

Nebel, verhüllend, das Klare ihr schied,
Kälte hielt zehrend ihr Blattgrünkleid nieder,
doch sie verkraftet manch frostigen Hieb,
mitten im Niedergang reckt sie die Glieder –
Rose bleibt Rose, in Anmut sie steht!

©Constanze

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