Als Österreicherin hab ich noch nie eine Sendung von Jan Böhmermann gesehen, mir reichen Stermann und Grissemann. Erst heute ist mir die ganze Tragweite dieser Böhmermann-Geschichte bewusst geworden und ich habe zu recherchieren begonnen. Ich finde die Böhmermann Satire über Erdogan wirklich lustig, ganz böse, voll bitterschwarzem Humor. Das Lied, auf das er reagiert, bietet Satire mit wesentlich feinerer Klinge. Ich finde es total in Ordnung zu diskutieren ob Böhmermann da nicht zu weit gegeangen ist, das muss einem nicht gefallen. Ich find es unglaublich lustig wie er es gemacht hat, verstehe aber auch Leute die sagen das geht zu weit. Kunst darf nicht alles. Aber die Art und Weise wie das nun läuft finde ich echt sonderbar.
In Östereich sind Stermann und Grissemann wohl das Pendant zu Böhmermann. Sie haben in 15 Folgen Heinz Fischer, den österreichischen Bundespräsidenten so richtig durch den Kakao gezogen. Schaut euch doch mal dessen Reaktion an.
So wünsche ich mir die Reaktion eines Europäers auf Satire. Im letzten Jahr war so oft die Rede von: Alle die kommen müssen unsere Werte annehmen.
Ich frage mich in letzter Zeit so oft... Was sind sie denn, die viel gepriesenen europäischen Werte? Mich beschleicht immer wieder das Gefühl, dass wir westenlich höhere Ansprüche an die Tugendhaftigkeit und Werte der Miganten haben, als an unsere eigene Tugendhaftigkeit oder die unserer Dorfnachbarn.
Ich denke nicht, dass Jan Böhmermann einem leidtun muss. Er hat ja absichtlich gezündelt. Ich halte es mit Voltair: „Ich bin nicht eurer Meinung, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr eure Meinung ausdrücken könnt.“
Kämpfen mit Worten wohlgemerkt. Satire ist so ein "Wortkampf". Kunst kann auch Widerstand sein.